Das Leben der Hochgräfin Gritta von Rattenzuhausbeiuns
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Ein Werk von Gisela von Arnim und ihrer Mutter, Original von 1840, hier als Reproduktion in neuer Rechtschreibung.






Ein Werk von Gisela von Arnim und ihrer Mutter, Original von 1840, hier als Reproduktion in neuer Rechtschreibung.
Lieber Prinz Waldemar! So weit ist's gekommen, dass ich diese letzte Anrede wage und sie lieber und naturgemäßer finde als die auf der ersten Seite. Vor Ihnen stehe ich nun, und alle Leute auf dem Markt hören, was ich zu sagen habe. In solch einer Menge ist man nicht aufrichtig, sondern nur schicklich; daher ist es wohl nicht schicklich, aufrichtig zu sein. Da man einem Prinzen gegenüber schicklich sein muss, und Aufrichtigkeit Unschicklichkeit ist, bereiten Sie sich darauf vor, entweder Unschickliches oder Unaufrichtiges zu hören. Wenn ich sage, es ist das aufrichtigste Gefühl der Verehrung und Liebe, das mich bewogen hat, dieses Buch zu widmen, würden Sie denken, ich rede nur um der Schicklichkeit willen. Wenn ich fortfahre und sage, dass Sie in diesem Buch viel Analoges mit sich finden werden, könnten die Schicklichkeitsmenschen behaupten, es sei unschicklich, einem Prinzen zu sagen, er habe Ähnlichkeit mit einer Volksseele. Ich kann Ihnen daher nichts sagen, denn meine Aufrichtigkeit würde entweder von Ihrer Bescheidenheit verneint oder von den Aristokraten verwiesen. Doch dem Publikum, in dem ich mich heimisch fühle, kann ich ohne Einwendung reden, da Aufrichtigkeit dort auch Schicklichkeit ist. Ihr Leute auf dem Markt! Ich habe dieses frühlingsduftende Buch nur dem darbieten können, der den Feldblumenkranz willkommen heißt, denn in seiner Brust wohnen das vaterländisch Edle, der Eifer für Wahrheit und der Glaube an göttl
Sechs große Werke – allesamt Brief- und Gesprächsbücher – hat Bettine von Arnim zu Lebzeiten publiziert, ein weiteres, Letzte Liebe, blieb ungedruckt. Im Januar 1839 ist Bettine von Arnim nach der Veröffentlichung von Goethes Briefwechsel mit einem Kinde 1835 eine Berühmtheit. Zahlreiche junge Männer, begeistert von der Frische dieses Buches, versuchen, Kontakt mit ihr aufzunehmen. Einer von ihnen ist der Jura-Student Julius Döring aus Wolmirstedt. Er gewinnt Bettines Zuneigung, und die über 50-Jährige erwidert die Gefühle des 32 Jahre Jüngeren. Ihre ungleiche Beziehung dauert etwa zwei Jahre, in denen sie sich hauptsächlich schriftlich austauschen. Spannungen entstehen, als Bettine versucht, Julius' beruflichen Werdegang zu beeinflussen und ihn als literarischen Mitarbeiter zu gewinnen. Julius hingegen leidet unter Eifersucht, da Bettine auch mit anderen jungen Männern verkehrt. Eine antisemitische Äußerung von ihm gegenüber einem „Konkurrenten“ beendet schließlich die Briefbeziehung, und Bettine bricht den Kontakt ab. Die faszinierende Korrespondenz zwischen der Grande Dame der Romantik und ihrer „letzten Liebe“ wird nun erstmals vollständig und ungekürzt veröffentlicht. Diese sehr persönlichen und subtil erotischen Briefe zeigen Bettine als späte Liebende, die die Fäden der Beziehung stets in der Hand behält und das Bild dieser couragierten Frau um eine neue Facette bereichert.