Alleinruhelage: Roman
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Jarenlang hat Eva Menasse kuriose Nachrichten über Tiere gesammelt, die ihr etwas über menschliches Verhalten zu offenbaren schienen, und in „Tiere für Fortgeschrittene“ dienen diese Tiere als Ausgangspunkte für Erzählungen über die Spezies Mensch. Ein alter Tyrann, der sich jeder Form von Veränderung widersetzt, kann nicht verhindern, dass die Demenz seiner Frau auch seine eigene Vergangenheit auslöscht. Für eine engagierte Mutter, die einen muslimischen Jungen beschützt, verschwimmen schließlich die eigenen Grenzen zwischen Gut und Böse. Und eine Frau erkennt, wie sehr das Schicksal ihres Vaters sie geprägt hat.
Vom Zustand der Debatte in der Digitalmoderne
Zieht sich eine liberale Gesellschaft gerade den Boden weg, auf dem sie fest stehen sollte? Ein Essay darüber, was die digitale Massenkommunikation zwischenmenschlich anrichtet. Nichts hat das Zusammenleben so umfassend verändert wie die Digitalisierung – wir denken, fühlen und streiten anders, seit wir dauervernetzt und überinformiert sind. Die Auswirkungen betreffen alle, egal, wie sehr sie die neuen Medien überhaupt nutzen. Es ist ein Stresstest für die Gesellschaft: Der Überfluss an Wissen, Geschwindigkeit, Transparenz und Unlöschbarkeit ist, unkanalisiert, kein Wert an sich. Demokratiepolitisch bedeutsam wird dies bei der vielbeschworenen Debattenkultur. Denn die Umgangsformen der sogenannten Sozialen Medien haben längst auf die anderen Arenen übergegriffen, Politik und Journalismus spielen schon nach den neuen, erbarmungsloseren Regeln. Früher anerkannte Autoritäten werden im Dutzend abgeräumt, ohne dass neue nachkommen, an die Stelle des besseren Arguments ist die knappe Delegitimierung des Gegners getreten. Eine funktionierende Öffentlichkeit – als Marktplatz der Meinungen und Ort gesellschaftlicher Klärung – scheint es, wenn überhaupt, nur noch in Bruchstücken zu geben. In ihrem Essay kreist Eva Menasse um die Fragen, die sie seit vielen Jahren beschäftigen: vor allem um einen offenbar hoch ansteckenden Irrationalismus und eine ätzende Skepsis, vor denen niemand gefeit ist.
Tübinger Poetik Dozentur 2021
Iedereen zwijgt over iets anders. Dunkelblum lijkt op het eerste gezicht een gewone stad, maar achter de façade schuilt het verhaal van een vreselijke misdaad. De oudere bewoners zijn decennia lang verbonden door hun kennis van het voorval, evenals door hun zwijgen over de daad en de daders. In de nazomer van 1989, terwijl aan de nabijgelegen grens met Hongarije al honderden vluchtelingen uit de DDR wachten, verschijnt er een mysterieuze bezoeker in de stad. Plotseling komen de zaken in beweging: een skelet wordt op een weiland aan de rand van de stad opgegraven en een jonge vrouw verdwijnt. Sporen van de oude misdaad duiken op en confronteren de inwoners van Dunkelblum met een verleden dat ze voor afgehandeld hielden. De auteur schetst een groot historisch panorama aan de hand van een kleine stad, die steeds weer het toneel van de wereldpolitiek wordt, en behandelt de omgang van de bewoners met historische schuld. Het werk is een griezelig-komisch epos over de wonden in het landschap en de zielen van de mensen, die, anders dan de herinnering, niet vergaan.
»Kompromisse werden langsam und unter Schmerzen geboren. Sie erwachsen aus einer Zusammenarbeit, gegen die sich erst einmal jeder sträubt« – so einfach ist es, einen komplizierten Prozess zu beschreiben. Mit einer behänden Leichtigkeit schafft es die begnadete Essayistin Eva Menasse, zeitdiagnostisch Kernprobleme unserer Gegenwart in den Blick zu nehmen. Gesellschaftspolitisch bedeutsam sind ihre Gedankenspiele in einer Zeit von Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, dem Erstarken autoritärer Politiker, Fake News, Aluhutträgern – denn wie all jenen begegnen? Ansichten als Hirngespinste abtun? Den Dialog verweigern? Oder auf sie zugehen und diskutieren, in der Hoffnung Denkräume zu öffnen? Menasse schreibt über Dinge, die uns alle angehen und über die wir weiterdenken sollten, um etwas gegen eine Verrohung der Gesellschaft zu tun. „Die vielgerühmte Freiheit, dass sich jeder zu allem äußern kann, schafft die gefährliche Illusion, dass das Aushalten anderer Meinungen nicht mehr nötig ist. Es war schon immer schwer, Kindern zu erklären, dass es keine garantierte Gerechtigkeit gibt, sondern dass man nur beständig an ihr arbeiten kann. Heute ist es schwer, Erwachsenen zu erklären, was ein Kompromiss ist und wozu man ihn braucht. Andere Meinungen dienen nicht mehr dazu, unsere eigenen zu überprüfen – sondern den Gegner zu markieren.“
Xenia Hausner is one of the most important Austrian painters of our time. This richly illustrated volume focuses on the aspect of staging that characterizes all her works. Beginning with her early pieces from the 1990s and culminating in the poignant Exiles series, the book transports readers into a feminine world filled with mysterious relationships. Hausner's painting is rooted in photography; the artist constructs spatial settings in her studio and captures a moment akin to a film still. Translated into painting, her images create a dramatic tension, suggesting that what is shown must lead to the next image to reveal its mysteries. Through the staged elements in her works—the painted captured lie—we encounter the contradictions of our existence and find an alternative to a male-dominated visual language.
Friedenspreis des deutschen Buchhandels 2017. Ansprachen aus Anlass der Verleihung
Der Stiftungsrat des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels hat die kanadische Schriftstellerin, Essayistin und Dichterin Margaret Atwood als diesjährige Trägerin gewählt. Die Verleihung findet am 15. Oktober 2017 in der Paulskirche in Frankfurt am Main statt und wird live im Fernsehen übertragen. Der Friedenspreis, der seit 1950 vergeben wird, ist mit 25.000 Euro dotiert. Die Jury begründet ihre Entscheidung damit, dass Atwood in ihren Romanen und Sachbüchern ihr politisches Gespür und ihre Sensibilität für gefährliche Entwicklungen und Strömungen eindrucksvoll unter Beweis stellt. Sie zählt zu den bedeutendsten Erzählerinnen unserer Zeit und thematisiert in ihren utopischen und dystopischen Werken die sich wandelnden Denk- und Verhaltensweisen der Gesellschaft. Atwoods präzise Beobachtungen menschlicher Widersprüchlichkeiten zeigen, wie schnell vermeintliche Normalität ins Unmenschliche kippen kann. Ihre Haltung ist von Humanität, Gerechtigkeitsstreben und Toleranz geprägt. Mit wachem Bewusstsein und tiefem Verständnis für die menschliche Natur formuliert sie ihre Analysen und Sorgen auf eine sprachgewaltige und literarisch eindringliche Weise. Durch ihr Werk erfahren wir mehr über unsere Identität, unseren Platz in der Welt und die Verantwortung, die wir für ein friedliches Zusammenleben tragen.
»Wer die Welt so anlächelte, musste eine Schraube locker haben. Oder ein Schutzblech zu wenig über der Seele.« In den Erzählungen von Eva Menasse wird jede kuriose Tiermeldung zum Ausgangspunkt für tiefere menschliche Einsichten. Sie betrachtet ihre Protagonisten mit einem liebevollen, aber unerbittlichen Blick. Ein alter Despot, der sich gegen Veränderungen wehrt, sieht, wie die Demenz seiner Frau auch seine Vergangenheit auslöscht. Eine engagierte Mutter, die ihr muslimisches Kind schützt, erkennt, dass die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwommen sind. Eine Frau wird sich der prägenden Einflüsse ihres Vaters bewusst, während eine Gruppe von Künstlern und Wissenschaftlern in der Hitze des Südens eine groteske Revolution plant. Menasse hat über Jahre hinweg Tiermeldungen gesammelt, die wie umgekehrte Fabeln menschliches Verhalten reflektieren. Leser können den Mustern und Motiven in ihren Erzählungen nachspüren, während andere sich von ihrem erzählerischen Talent mitreißen lassen. Ihre Geschichten vereinen pointierten Witz, Geheimnis und melancholischen Ernst und laden dazu ein, die menschliche Natur in all ihren Facetten zu erkunden.
Ein Kauz, der gern mit Pfeil und Bogen posierte, zur sexuellen Stimulation mittelalterliche Märtyrerszenen nachspielte – Samtpeitsche inklusive – und bei Wutanfällen Teekannen exekutierte: Bis in seine Fünfziger lag das verwöhnte Nesthäkchen noch seiner reichen Familie auf der Tasche. Dann wurde der österreichische Schriftsteller Heimito von Doderer (1896–1966) mit außergewöhnlichen Romanen und Erzählungen blitzartig berühmt. Eva Menasse plädiert leidenschaftlich für die Wiederentdeckung von Doderers vielgestaltigem Werk, das größte Gegensätze mühelos verbindet. Es ist formal avanciert, wahnsinnig komisch und sprachlich bildschön.
In Eva Menasses Essays und Reden lassen sich das Temperament und die unbändige Formulierlust dieser Autorin noch einmal neu entdecken: in liebevoll-boshaften Langzeitbeobachtungen über Deutsche und Österreicher, in engagierten politischen Interventionen, aber auch in leidenschaftlichen Bekenntnissen zu Lieblingsautoren wie Richard Yates, Alice Munro und Ulrich Becher. Ein besonderes Augenmerk gilt der öffentlichen Rolle des Schriftstellers, ein Feld, auf dem man in Deutschland bekanntlich nur alles falsch machen kann. Die pointierten und eleganten Texte der Heinrich-Böll- Preisträgerin des Jahres 2014 beziehen Stellung, sie sind ein starkes Plädoyer gegen Lauheit – und ein Lektüregenuss. Ausstattung: Aufgedruckter Pepper:
Mit unbestechlichem Blick für Frauen, ihre menschlichen Schwächen und das, was man an ihnen lieben muss, zerlegt Eva Menasse die Biografie einer Frau in ihre unterschiedlichen Aspekte. In dreizehn Kapiteln zeigt sie Xane Molin als Mutter und Tochter, als Freundin, Mieterin und Patientin, als flüchtige Bekannte und treu lose Ehefrau. Zu Beginn ist Xane vierzehn Jahre alt und erlebt mit ihrer besten Freundin einen dramatischen Sommer. Am Ende ist sie Großmutter und versucht, für den Rest des Lebenswegs das Steuer noch einmal herumzureißen.
Halb Buch, halb Magazin, halb Literatur, halb Reiseführer - ein gelungener Cross-Over, der nach Lust und Laune hinter die Kulissen schaut, Ereignisse und Erlebnisse schildert, in Geschichten, Interviews und Reportagen mit stimmungsvollen Fotostrecken Städte und Regionen vorstellt
Von der Autorin des Bestsellers »Vienna« Ein Familienvater ist zu träge, um gegen Töchter und Exfrau ein eigenes kleines Glück durchzusetzen. Ein junges Liebespaar vermeidet die Kompliziertheiten der Sexualität, indem es den einen zum Pfleger, die andere zur Kranken macht. Ein Mann verpasst sein ganzes Leben, weil er sich keine Schwäche leisten will. Und ein geschiedenes Paar bekämpft einander bis ans Grab des gemeinsamen Kindes. In einer postmodernen Gesellschaft forscht Eva Menasse nach archaischen Mustern. Mit ihrer eigenen gelungenen Mischung aus Poesie und Komik spürt sie den sieben Todsünden nach und findet Trägheit und Gefräßigkeit, Wollust und Hochmut, Zorn, Neid und Habgier in den Taten ihrer ganz und gar weltlichen Protagonisten.
From the very beginning - the birth of the narrator's father in the middle of a bridge party - the reader is plunged headlong into the world of Vienna, a novel crowded with voices, characters, tragedy and joy. The disintegration of history and indentity in the twentieth century is seen through the adventures of one family - half-Jewish Viennese, split apart by the Nazi invasion and sent out into the world. Dispensing with linear narrative, the story loops forwards and back to follow each member on their winding course. Their experiences encompass fraudsters, footballers, fools and fur coats as the narrative moves from Austria to London, from Canada to the battlefields of Burma. This is a landmark European novel of impressive reach and power whose readership will spread as widely as the family whose story it tells. It introduces in Eva Menasse an intimate chronicle of human experience and an unashamedly gleeful storyteller. Her cast of entrancing characters and unexpected events shows us imperceptibly the formation and disintegration of family history and identity.