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Der Opfergang

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"In jenem heißen August, da die Cholera in Hamburg herrschte und mehr Menschen die Kühle des Grabes brachte, als je ein heißer Sommer zuvor, konnte man, immer zur nämlichen Abendstunde, einige Tage lang eine hohe schöne Frau in einer kaum auffälligen und doch so merkwürdigen Verkleidung und Verstellung eine der stillen und vornehmen Villenstraßen an der Alster dahinschreiten sehen, daß man sich unwillkürlich noch mit dieser Erscheinung beschäftigte, nachdem sie längst dem Auge entschwunden war. Von den wenigen, die dort gingen, hat wohl niemand ihr nachzublicken gewagt, denn ihre Art erlaubte das nicht; aber nachgesonnen hat ihr wohl jeder, der sie begegnend ins Auge faßte. Es war sicherlich nicht die Zeit zu Vermummungen, während die Seuche täglich gieriger wurde und ihr Hunderte von Menschenopfern nicht mehr genügten; als ich aber das Gebaren dieser Frau sah, welche mit einer inneren Schwere ohnegleichen einen vorgeschriebenen Weg zu gehen schien, ergriff es mich, als ob das Leben in einer Art Wettstreit hätte zeigen wollen, daß es grausamere, blutigere Menschenopfer fordere, als jener dörrende Tod."

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Der Opfergang, Rudolf Georg Binding

Taal
Jaar van publicatie
1949
Bindwijze
(Hardcover),
Staat van het boek
Goed
Prijs
€ 1,59
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Titel
Der Opfergang
Taal
Duits
Uitgever
Insel
Jaar van publicatie
1949
Formaat
Hardcover
Reeks
Tags
Aantekening
"In jenem heißen August, da die Cholera in Hamburg herrschte und mehr Menschen die Kühle des Grabes brachte, als je ein heißer Sommer zuvor, konnte man, immer zur nämlichen Abendstunde, einige Tage lang eine hohe schöne Frau in einer kaum auffälligen und doch so merkwürdigen Verkleidung und Verstellung eine der stillen und vornehmen Villenstraßen an der Alster dahinschreiten sehen, daß man sich unwillkürlich noch mit dieser Erscheinung beschäftigte, nachdem sie längst dem Auge entschwunden war. Von den wenigen, die dort gingen, hat wohl niemand ihr nachzublicken gewagt, denn ihre Art erlaubte das nicht; aber nachgesonnen hat ihr wohl jeder, der sie begegnend ins Auge faßte. Es war sicherlich nicht die Zeit zu Vermummungen, während die Seuche täglich gieriger wurde und ihr Hunderte von Menschenopfern nicht mehr genügten; als ich aber das Gebaren dieser Frau sah, welche mit einer inneren Schwere ohnegleichen einen vorgeschriebenen Weg zu gehen schien, ergriff es mich, als ob das Leben in einer Art Wettstreit hätte zeigen wollen, daß es grausamere, blutigere Menschenopfer fordere, als jener dörrende Tod."