Im Zeichen des Kreuzes
- 215bladzijden
- 8 uur lezen





Geschichte der frühen Globalisierung vom 16. bis zum 18. Jahrhundert
Mit dem 16. Jahrhundert begann die frühe Globalisierung als Prozess der Herstellung dauerhafter Beziehungen zwischen den Weltregionen. Während sich in Asien kontinentale Reiche konsolidierten, schickte das Königreich Portugal seine Schiffe um Afrika herum in den Indischen Ozean und stellte eine Seeverbindung zu den Handelsnetzwerken Süd- und Ostasiens her. Mit demselben Ziel segelten spanische Expeditionen nach Westen und eroberten dort eine „Neue Welt“. Bald folgten andere ihrem Beispiel. Obwohl die Initiativen zur transozeanischen Verknüpfung von Europa ausgingen, waren diese abhängig von gleichzeitigen Prozessen umfassender regionaler Integration. Eine multipolare Ordnung entstand, deren Grundlage die Gewerbeproduktion Eurasiens und die Edelmetalle Amerikas bildeten. Am Ende kontrollierten europäische Mächte den Weltverkehr, besaßen Stützpunkte an allen Küsten der Ozeane und beherrschten Amerika. Auf dieser Grundlage trat die Globalisierung um 1800 in eine neue Phase der globalen Hegemonie des Westens.
Das 18. Jahrhundert gilt als fundamentale Umbruchsepoche. Sie ist geprägt von der Aufklärung und der Entsakralisierung der Welt, dem Aufstieg des Bürgertums und der Entstehung von Öffentlichkeit sowie dem Beginn der industriellen Revolution. Die nachhaltigen Veränderungen bringen die Geburt der europäischen Moderne mit sich. Der Bruch mit den historischen Vorbildern erschüttert die bisher geltenden Werte. Im Zentrum steht Europas Überzeugung einzigartig zu sein. Von anderen Kulturen und Zivilisationen grenzt sich Europa ab und legitimiert damit seine hegemoniale Vormacht über den ganz anderen und damit rückständigen Rest der Welt. Ob sich die europäische Vormacht aus internen Verhältnissen ableiten lässt oder im Kontext globaler Verflechtungen erklärt werden muss, und ob auch Länder außerhalb Europas eine aktive Rolle einnahmen oder ob sie zum Spielball europäischer Vormacht wurden, sind nach wie vor heftig debattierte Fragen. Der fünfte Band der insgesamt achtbändigen Globalgeschichte des zweiten Jahrtausends schenkt deshalb der Prozesshaftigkeit der untersuchten Entwicklungen sowie den transnationalen, transkulturellen oder transkontinentalen Interaktionen und Interdependenzen besondere Aufmerksamkeit.