Die Beiträge zur Altertumskunde enthalten Monographien, Sammelbände, Editionen, Übersetzungen und Kommentare zu Themen aus den Bereichen Klassische, Mittel- und Neulateinische Philologie, Alte Geschichte, Archäologie, Antike Philosophie sowie Nachwirken der Antike bis in die Neuzeit. Dadurch leistet die Reihe einen umfassenden Beitrag zur Erschließung klassischer Literatur und zur Forschung im gesamten Gebiet der Altertumswissenschaften.
Geisteswissenschaft und politische Erfahrung im 20. Jahrhundert
Die »Entdeckung des Geistes« präsentiert einen Entwicklungsprozess bei den Griechen, in dem der Mensch sich seiner selbst bewusster wird. Bruno Snell, ein bedeutender Gräzist und Rektor der Universität Hamburg von 1951-1953, war ein Wissenschaftler, der sowohl in der klassischen Philologie als auch in moderner Dichtung und Kunst bewandert war. Er verstand es, Wissenschaft lebendig und amüsant zu gestalten, ohne in Fachsimpeln zu verfallen. Snell trug entscheidend dazu bei, nach 1945 das internationale Ansehen der deutschen Wissenschaft wiederherzustellen. In seinem Werk verfolgt er den geistigen Wandel von einem »noch nicht« zu einem »nicht mehr«, wobei er das Spannungsfeld zwischen Verlorenem und Neuem, Bildlichem und begrifflicher Schärfe untersucht. Der Weg führt vom Homerischen Epos über die Entdeckung der Individualität und der selbstverantwortlichen Entscheidung in der Tragödie des Aischylos bis hin zur Philosophie und zur demokratischen Staatsform in Athen. Snells Werk ist nicht nur ein bedeutendes wissenschaftliches Dokument, sondern spiegelt auch seine Zeit wider, in der er mit einem wachen politischen Verständnis zur Gestaltung der Gesellschaft beitrug und die kommunikative Vernunft in einer Demokratie fördern wollte.
Drittes Bruno Snell-Symposion der Universität Hamburg am Europa-Kolleg
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Das dritte Bruno Snell-Symposion stellt die interdisziplinären Beiträge zur Aktualisierung von Antike unter den Leitbegriff der Inszenierung. Der Begriff deckt ein Spektrum ab, das vom klassischen Theater bis zu metaphorischen Konnotationen reicht. Das Ergriffenwerden im Sinne des aristotelischen Affekts gehört ebenso in dieses Feld, wie die Selbstverständigung und -inszenierung einer Gesellschaft, die mediale Inszenierung und die Neuinterpretation des bekannten Materials. Ausgehend von der Frage nach der Selbstinszenierung der athenischen Polisgesellschaft und dem Verhältnis von Sprache und Gestik in der griechischen Tragödie, zeigen die Beträge zu Montaigne, zur romantischen Ode in England, zu Paveses Dialog mit der Antike, zur deutschen Lyrik und zum Einfluss der Antike auf den Naturbegriff in der deutschen Literatur wichtige Stationen europäischen Antikeverständnisses auf. Die Aktualisierung des griechischen Körperkults gibt Anlass zu kritischer Nachfrage, LaButes Pygmalion wirft die Frage nach Relevanz des Stoffes in den USA der Gegenwart auf, am Beispiel Thomas Hettches lassen sich antike Mythen als Inszenierungsmittel für ästhetische Probleme beschreiben.
Die Beiträge aus Geschichte, Romanistik, Germanistik und Klassischer Philologie verdichten die Fragestellung des 1. Symposions auf das Problem der Aktualisierung der griechischen Tragödie. Deren mythische Substanz zwingt die Autoren der Neuzeit offenbar, in ihren Stücken das Verhältnis von Transzendenz und Immanenz, von Staat und Individuum sowie von Schuld und Erlösung immer wieder neu zu bestimmen. Diese Positionen untersuchen die Beiträge in einem weiten Bogen von der Antike bis in die Gegenwart, von der Untersuchung des ästhetisch-formalen Problems anhand zweier Thyestes-Versionen über das der Götter in Goethes Iphigenie zu Fragen des Politischen und Nationalen in Anouilhs Antigone sowie in zwei gleichzeitigen Aufführungen von Sophokles' Antigone im nationalsozialistischen Deutschland, ergänzt um eine Nebenlinie: Kleists und Heiner Müllers Arminius-Versionen.