Psychoanalyse
Zum 60. Geburtstag von Alexander Mitscherlich






Zum 60. Geburtstag von Alexander Mitscherlich
Qualitative Interpretationsmethoden wurden in den Sozialwissenschaften bisher nur wenige entwickelt. Die Methode der qualitativen Inhaltsanalyse als empirische Ideologiekritik bleibt unzureichend, sie vermag ihrem Gegenstand, dem gesellschaftlichen Bewußtsein, nicht wirklich gerecht zu werden. Gesellschaftliches Bewußtsein entsteht auch und erhält sich in vielfältigen Sozialisationsprozessen. Diese bilden die subjektive Seite des gesellschaftlichen Bewußtseins. Wie die empirischen Untersuchungen zum Alltagsbewußtsein zeigen, treten die subjektiven Strukturen gegenüber den vorgegebenen ideologischen Inhalten des Bewußtseins heute in den Vordergrund. Diese subjektiven Strukturen des Alltagsbewußtseins gilt es wissenschaftlich zu erfassen: das Verstehen des gesellschaftlichen Gehalts bedarf einer Tiefenhermeneutik. In ihrem Buch entwickeln die beiden Wissenschaftler ein tiefenhermeneutisches Verfahren der Textinterpretation, mit dessen Hilfe subjektive Strukturen in Texten erschlossen werden können. Das ausschließlich mit dem Individuum befaßte Verfahren der Psychoanalyse wird abgewandelt, seine naive Anwendung auf Texte kritisiert. An Beispielen werden der besondere Gegenstand der psychoanalytischen Textinterpretation freigelegt und die einzelnen Schritte des Interpretationsverfahrens dargestellt.
Eine Einführung am Beispiel einer Sozialpsychologie der Arbeit
InhaltsverzeichnisI. Theoretische Klärung.- 1. Das Erkenntnisinteresse der psychoanalytischen Sozialpsychologie im Unterschied zur therapeutischen Psychoanalyse.- 2. Der Gegenstand des psychoanalytisch-therapeutischen Verfahrens — dargestellt an einem Fallbeispiel.- 3. Der Gegenstand der psychoanalytischen Sozialpsychologie — dargestellt an einem Fallbeispiel.- 4. Die Modi der Sozialisation: Individuierung und Vergesellschaftung.- 5. Die Wechselwirkung von Individuierung und Vergesellschaftung als Feld der psychoanalytischen Sozialforschung.- 6. Alltagsbewußtsein und Arbeitsbewußtsein.- 7. Arbeit als psychoanalytisch-sozialpsychologisches Forschungsfeld — konzeptionelle Schlußfolgerungen.- II. Methodologische Reflexion und empirische Anleitung.- 8. Das Verhältnis von Theorie und Empirie in einer psychoanalytischen Sozialpsychologie.- 9. Die Merkmale sozialer Realität und die Regeln der Umgangssprache in ihrer Bedeutung für die Methodenkonstruktion.- 10. Erkenntnistheoretische Grundsätze interpretativer Sozialforschung in der Perspektive eines psychoanalytisch reflektierten Selbst- und Fremdverstehens.- 11. Erhebungsmethoden im Feld.- 12. Distanz und Beteiligung. Die Rolle der Forschenden im Untersuchungsfeld.- 13. Methoden der Auswertung.- 14. Die Interpretationsgemeinschaft und der Text — ein Beispiel aus der Praxis.- Die Autoren.