Superhelden sind längst mehr als nur Unterhaltung - sie sind zu machtvollen Symbolen unserer Zeit geworden, die gesellschaftliche Werte vermitteln und politische Diskurse prägen. Peter Vignold untersucht das Marvel Cinematic Universe als Spiegel der amerikanischen Gesellschaft und Politik der letzten zwei Jahrzehnte. Von Iron Mans erstem Auftritt 2008 bis zu den jüngsten Entwicklungen nach der Infinity-Saga zeichnet er in diesem Buch nach, wie das Marvel Cinematic Unicerse (MCU) auf historische Wendepunkte reagierte: von den Nachwirkungen des 11. September über die Finanzkrise bis hin zur Trump-Ära, Captain America verkörpert dabei den klassischen amerikanischen Nationalismus, während Iron Man sowohl den kapitalistischen Traum als auch dessen Schattenseiten repräsentiert. Besonders deutlich wird dies in der Auseinandersetzung mit Tech-Oligarchen in Avengers: Age of Ultron oder der düsteren Reflexion gesellschaftlicher Spaltung in Avengers: Infinity War und Avengers: Endgame. Vignold zeigt auf, wie Superhelden-Narrative komplexe politische Botschaften transportieren und dabei sowohl progressive als auch konservative Ideologien bedienen können und bietet dabei Einblicke in die Verbindung von Entertainment und Politik.
Peter Vignold Volgorde van de boeken (chronologisch)


Superhelden im Film
Zur post-patriarchalen Utopie des Marvel Cinematic Universe
Der anhaltenden Diversifizierung des Superheld*innen-Genres in Film und TV geht eine Umbruchsphase voraus, in deren Fokus eine kritische Neuverhandlung von Männlichkeit(en) steht. Peter Vignold nähert sich diesem Umbruch aus einer gender- und medienkulturwissenschaftlichen Perspektive, die filmische Männlichkeit als Resultat medienästhetischer Prozesse begreift. Er interpretiert Marvels »Infinity Saga« als Geschichte von Vätern und Söhnen, die im symbolischen Tod des Patriarchats aufgeht. Im Fokus der Betrachtung steht der Film Iron Man und dessen Konstruktion als filmhistorisches Museum der Männlichkeiten, das sich aus der Geschichte Hollywoods speist.