Düstere Geschichten sind es, „Novembergeschichten“, die Elfriede Rotermund (1884–1966) uns in diesem Novellenband erzählt, Geschichten vom Tod und langen Sterben, von Schuld und Vergebung. Aus einer Zeit, als das Sterben, anders als heute, noch zum Leben gehörte: Übergang von der einen in eine andere Welt. Sie, die selbst zwei Kinder auf der Hallig verloren hat, wusste wovon sie erzählt. Sechzehn Jahre lang war sie Lehrerin auf Hallig Oland, gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Pastor Robert Rotermund (1881–1945). Vieles, wovon sie berichtet, hat sie dort erlebt, in guten wie in schlechten Zeiten. Ihre Erzählungen führen uns ein in eine längst vergangene Welt. In ihnen vermischen sich wirklich Geschautes und belletristische Fiktion zu einem Novellentypus, der sie zur „Dichterin der Halligen“ werden ließ. Sie sind nicht immer leicht zu lesen. Langsam und in Ruhe muss man sie sich erschließen. Wie Bilder, die sich der Sprache entziehen.
Elfriede Rotermund Volgorde van de boeken (chronologisch)


„Dichterin der Halligen“ wurde sie genannt. Und in der Tat ist es ihr wie keiner zweiten gelungen, die eigenartige Kultur dieser Inselwelt in ihren Erzählungen zu verewigen. Elfriede Rotermund, die die Halligen aus eigener Anschauung kannte, hat Verständnis für die Sorgen und Nöte der Menschen, die sie porträtiert. Wenn sie oft Frauen in den Mittelpunkt ihrer Novellen stellt, dann auch deshalb, weil sie den Halligalltag mit den Augen einer Frau wahrgenommen hat. Neun Novellen sind in diesem Buch zusammengefasst, darunter die Geschichte der Thalke Thyssen, deren Bräutigam vor dem Hochzeitstag bei dem Versuch, Schiffbrüchige im Sturm zu retten, selbst auf See bleibt. Mit den anderen Halligfrauen am Strand stehend, muss sie hilflos mit ansehen, wie eine Sturzsee das Rettungsboot erfasst und in die Tiefe reißt.