Was zunächst paradox erscheint, die sich streng materialistisch gebende Kunst der zwanziger Jahre nach religiösen Mustern und Strukturen zu untersuchen und ihr Menschen-Bild im Bezug zu religiös-philosophischen Konzepten der russischen Intelligenz, vor allem der symbolistischen Bewegung, zu betrachten, kann einen völlig neuen Blick auf den „Russen-Film“ und seine Geschichte ergeben. Denn die Filme und Konzepte der russisch-sowjetischen Filmavantgarde sind nicht einfach das, wofür sie sich ausgeben. Was haben Dziga Vertovs Bild-Ekstasen und die religiösen Symbolstrukturen seiner Filme mit der behaupteten aufklärerischen Weltsicht gemeinsam? Wieso dient ausgerechnet das von Delsarte, Dalcroze und der Philosophie Solovëvs geprägte Bild vom 'Ausdrucks-Menschen' des Fürsten Volkonskij als Basis von Kulešovs neuem Darsteller-Menschen? Was bringt Dovenko dazu, seine Verherrlichung des neuen, sozialistischen Lebens der Dorfgemeinschaft in einer naturmythischen wie christlichen Bild-Sprache zu formulieren? Jörg Bochows kulturhistorische Analyse des russisch-sowjetischen Films geht diesen Fragen anhand der Konzepte und Filme von Kulešov, Vertov und Dovzenko nach und zeitigt dabei überraschende Einblicke und Befunde, die einseitige filmhistorische Bewertungen revidieren.
Jörg Bochow Boeken


Im Zeichen der Faust
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Die Intendanz von Hasko Weber und seinem Team geht mit dem „Garten der Lüste„ in Anspielung auf Hieronymus Bosch in seine achte und letzte Spielzeit am Schauspiel Stuttgart. Acht Jahre, in denen sich die Stadt und das Land verändert haben - das Schauspiel Stuttgart ist mit seinen thematischen Spielzeiten wie „Faust“, „Ulysses„ und „Generation Hamlet“ und einem politisch engagierten Theater dicht am Puls der Zeit gewesen. 2006 wurde es zum „Theater des Jahres„ gewählt und hat seitdem immer wieder mit Projekten wie „Endstation Stammheim“, mit dokumentarischen und chorischen Theaterarbeiten sowie mit Uraufführungen und herausragenden Inszenierungen für Aufsehen und auch für Aufregung gesorgt. Das Buch lässt die vergangenen acht Spielzeiten in Wort und Bild Revue passieren. Otto Paul Burkhardt, als Theaterkritiker vor Ort ein genauer Beobachter des Schauspiel Stuttgart, blickt zurück auf die Spielzeiten und die wichtigsten Inszenierungen. Autoren, die hier wichtige Impulse gegeben haben, wie Sibylle Berg, Jan Neumann und Soeren Voima, beschreiben in persönlichen Statements ihr künstlerisches Wirken am Haus. „Im Zeichen der Faust" ist ein spannungsvoller Blick auf das Schauspiel Stuttgart in der Intendanz von Hasko Weber.