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Dr. Hans Erich Müller

    Die Revolution nach Feierabend 1989/90
    Was muss ich tun? oder Wer darf ich sein?
    • Was muss ich tun? oder Wer darf ich sein?

      Warum ein religiöses Leben der Kitt ist, der uns zusammen hält

      • 114bladzijden
      • 4 uur lezen

      Eines der Grundbedürfnisse eines jeden Menschen ist der Wunsch nach Bindung, auch zu einer Religion. Diese spielt oft eine entscheidende Rolle in unserem Leben, sowohl positiv als auch negativ. Ich bin überzeugt, dass Religion und die damit verbundene Aufforderung zur Bindung an andere das Leben bereichern. Religiöses Leben ist schön, weil Gemeinschaft mit Gleichgesinnten Freude bringt, Geborgenheit in einer Wertegemeinschaft geboten wird und das Dasein für andere, trotz Hass und Missgunst, erfüllend ist. Der Glaube an eine Kraft, die uns gewollt hat, ist tröstlich. Liebe und Nächstenliebe sind essenziell, und Hoffnung hilft, über alles Bedrückende hinwegzusehen. Viele Menschen sprechen nicht mehr von Gott, da der Glaube verloren ging, doch jeder spürt das Bedürfnis nach Liebe und erkennt, wenn ihm davon zu wenig zuteilwird. Eugen Drewermann hat die Religion neu interpretiert, indem er Theologie mit Psychoanalyse verbindet. Er zeigt auf, wie oft wir uns wichtiger machen, als wir sind, und thematisiert die Angst vor der Sinnlosigkeit des Lebens. Die entscheidende Frage ist nicht: "Was muss ich tun?", sondern: "Wer darf ich sein?" Diese Frage bleibt aktuell, ähnlich wie zur Zeit Luthers vor 500 Jahren.

      Was muss ich tun? oder Wer darf ich sein?
    • Die Revolution nach Feierabend 1989/90

      Die Abstimmung mit den Füßen

      • 84bladzijden
      • 3 uur lezen

      Vieles geht 32 Jahre nach unserer friedlichen Revolution unserem Gedächtnis und Andenken verloren, wenn es nicht schriftlich festgehalten wird. Nie hätte ich zu hoffen gewagt, dass ich es nach 40 Jahren SED-Herrschaft noch erleben darf, noch einmal politische Freiheit zu genießen. Ich dachte eindeutig, unsere Machthaber, die verfetteten „Söhne der Arbeiterklasse“, würden uns eher verhungern lassen, als von ihrer Macht auch nur ein winziges Stück abzulassen. Gut, wir hatten viel Glück mit der Abfolge der Ereignisse: Das Schaufenster nach dem Westen (Fernsehen, Intershops, Besuchsreisen) ließ so manchen die Faust in der Tasche ballen. Gorbatschows Perestroika und Glasnost, Polens Solidarnosc, die dank des Papstes am Leben blieb, Ungarns Grenzöffnung nach Österreich – all das spielte eine entscheidende Rolle. Hinzu kam das zu lange Dulden der führenden Genossen unter Honeckers seniler Fuchtel mit anschließender Uneinigkeit. Wie gesagt: Glück gehabt. Nun will ich aber nicht behaupten, dass wir heute den Himmel auf Erden haben. Aber bei all den Einschränkungen, die wir nach der Wende wahrnahmen, bin ich stolz, dass ich als jemand, der sich nicht für sehr mutig oder gar heldenhaft hält, im richtigen Augenblick die Angst hinter sich ließ und als winziges Rädchen der friedlichen Revolution dienen durfte.

      Die Revolution nach Feierabend 1989/90