Prag 1910: Egon Erwin Kisch, Reporter der »Bohemia«, ermittelt in seinem ersten Fall während der Panik um den Halley‘schen Kometen. Um Informationen zu sammeln, lässt er sich ins Gefängnis sperren und erhält Unterstützung von Zöllner Novák, dem Sonderling Brodesser und seiner Partnerin Lenka Weißbach. Ein spannender Auftakt einer Krimi-Serie.
Es gibt sie, die Museumsstadt. Die Postkartenidylle mit den 180 Brücken. Aber Martin Becker weiß, wo ihr Geist lebendig wird: in unspektakulären Spelunken und nieselnassen Nächten, in ehemaligen Arbeitervierteln, die zum Szenetreff mutiert sind, und in Fahrradwerkstätten, die gleichzeitig als Café fungieren. Und er weiß auch: Da ist ein Tschechien jenseits der Hauptstadt. Er nimmt uns mit nach Brünn und Karlsbad, nach Ostrava und ins Altvatergebirge. Macht uns vertraut mit der bittersüßen Schwermut der tschechischen Seele, aber auch mit dem »český humor«. Und er zeigt uns, wo heutzutage noch tschechische Wunder geschehen.
Eine Liebeserklärung an ein aussterbendes Milieu, dessen Kinder vom großen Los träumten, aber auch mit den Trostpreisen zufrieden sind. Manchmal lassen die Eltern die heißen Fabrikhallen hinter sich und fahren los. Mit den Kindern ans Meer, immer an die Nordsee und immer nur für ein paar Tage. Der Rest ist Plackerei: Für das Reihenhaus, für die Kinder, für ein bisschen Glück – wenigstens im Rahmen des Sparkassendarlehens. Martin Becker erzählt in „Die Arbeiter“ von einer kleinstädtischen Familie, die es nicht mehr gibt. Von zu früh gestorbenen Eltern und Geschwistern, von einem unverhofften Wiedersehen an der Küste, vom kleinen Wunder, nach dem Verschwinden der Ursprungsfamilie nun selbst Vater zu sein und einen Sohn zu haben. Die altmodischen Nähmaschinen der Mutter, der schwere Schmiedehammer des Vaters, die billig eingerichteten Ferienwohnungen und stets zugequalmten Kleinwagen aus dritter, vierter, fünfter Hand: es ist die Geschichte über eine Herkunft aus einfachen Verhältnissen, fern aller Romantik und Verklärung. Ein Denkmal für die verschwundene Arbeiterfamilie. Eine Liebeserklärung an ein aussterbendes Milieu, dessen Kinder vom großen Los träumten, aber auch mit den Trostpreisen zufrieden sind. Aktueller denn je.
Tief unter der Erde hält der junge Mann aufgeregt und fiebrig ein warmes Stück Kohle in der Hand. Zum ersten Mal. Hier im Streb, wo Generationen von Bergleuten malocht haben. Bald endet die Kohleförderung in Deutschland. Und damit das Leben unter Tage. Dann ist im Ruhrpott Schicht im Schacht. Und es bleiben nur noch Erinnerungen: an den wortkargen Vater und die Abende mit Bier, Schnaps und Marschmusik aus dem Küchenradio. An ein Milieu, das für immer verschwinden wird. »Marschmusik« ist eine Geschichte vom Erwachsenwerden, ein Buch über die magische Welt des Kohlebergbaus und über die verführerische Kraft der Finsternis unter Tage – allem Verschwinden zum Trotz immer wieder erzählt mit Leichtigkeit und Witz.
Wie und wo begegnet man der jungen tschechischen Literatur? Womöglich in der Prager Metro? Und ist die tschechische Kneipe immer noch der ultimative Ort der Inspiration? Das Bafeln beim Bier als literarischer Topos ist in diesem Buch nur der Ausgangspunkt für eine wilde Fahrt durch Bilder, Stile und Stimmen der eigenwilligen tschechischen Gegenwartsliteratur. Achtzehn Autorinnen und Autoren sind vertreten, oft erstmals ins Deutsche übersetzt. Mit Texten von: Bianca Bellová, Ondřej Buddeus, Dora Čechova, Vladimíra Čerepková, Irena Dousková, Emil Hakl, Petr Hruška, Václav Kahuda, Dora Kaprálová, Hana Lundiaková, Igor Malijevský, Jaroslav Rudiš, Tereza Semotámová, Petra Soukupová, Alžběta Stančáková, Michal Šanda, Filip Topol und Eva Turnová.
"Was man hier erlebt, das ist manchmal so absurd wie in einem Theaterstück von Václav Havel. Oder vertrackt wie in einer Erzählung von Franz Kafka. Sie finden, ich übertreibe? Dabei habe ich doch noch gar nicht angefangen. Außerdem: Die Geschichten stimmen vielleicht nicht immer alle hundertprozentig, aber dann hätten wir uns nicht in der Kneipe…
Wer nicht wegkommt aus der schäbigen Provinz, die sich Leben nennt, der bringt sich um. Und wer selbst das nicht schafft, der bekommt in Martin Beckers Erzählungen eine zweite Erzählungen, als würde Fellini einen heruntergekommenen Wanderzirkus leiten und Tom Waits dazu die Schelle schlagen.Martin Beckers Geschichten sind ein nichts ist an ihnen wahrscheinlich und alles relevant. Wir betreten eine Welt voll von sprechenden Hunden, folgenlosen Morden und anrührend abseitigen Hobbies. Da kommt ein verlorener Sohn wieder nach Hause und entdeckt, welcher Hölle er entronnen ist. Da wird nach einem langwierigen Leben unverhofft die totgeglaubte Mutter wiedergefunden. Da muss eine Geburtstagsfeier an der Autobahnraststätte ohne den 70jährigen Jubilar auskommen, denn der liegt im benachbarten Moos und hat aufs Verrecken keine Lust. Da klingelt ein skurril unbegabtes Handwerker-Duo, um den bestellten Super-Kaffee-Automat aufzustellen, dessen Kapazität für ein Großraumbüro ausgerichtet ist. Aber Hand aufs Wem ist es nicht schon mal passiert, aus Versehen ein Lockangebot unterschrieben zu haben? Der Einbau des Automaten aber steigert sich zu einer finsteren Szenerie von Bedrohung, Todessehnsucht und Ausweglosigkeit.
Empirische Erkenntnisse aus der Arbeit mit trauernden Menschen
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Ressourcenorientierung steht im Mittelpunkt der sozialen Arbeit, die als Profession darauf abzielt, individuelle und gesellschaftliche Potenziale zu erkennen und zu fördern. Das Buch beleuchtet verschiedene Ansätze und Methoden, die Fachkräfte dabei unterstützen, Klienten in ihrer Selbstständigkeit zu stärken und ihre Lebensqualität zu verbessern. Es werden praxisnahe Beispiele und theoretische Grundlagen präsentiert, um ein umfassendes Verständnis für die Herausforderungen und Chancen in der sozialen Arbeit zu vermitteln.