Mit den Schlüsselbegriffen 'Analogie' und 'Ambivalenz' wird die Bedeutung bestimmter Tiermotive entschlüsselt, die zur Bildwelt der Griechen des 7. und 6. Jahrhunderts v. Chr. gehören. Während diese Motive in Sagendarstellungen oder nicht-mythischen Szenen oft willkürlich erscheinen, sind ihre Botschaften nun verständlich. Im Mittelpunkt stehen Tiere, deren Eigenschaften sie als Bildzeichen von Analogie und Ambivalenz prädestinieren. Diese Tiergleichnisse sind Teil der frühgriechischen Erzähltechniken und der archaischen Bildwelt. Man nutzte dieses Vergleichspotential, um dem narrativen Kontext passende Tiermotive hinzuzufügen: So verschwindet Eurystheus flink wie eine Eidechse im Pithos. Zudem gibt es Tiere, die aufgrund zoologischer Merkmale wie Gestalt oder Lebensweise als Symbole der Ambivalenz fungieren. Sie zeichnen sich als Schwellenwesen aus, sei es durch ihre Nachtaktivität, als Amphibien oder Zugvögel. Als klassische Grenzgänger stellen sie Verbindungen her und gelten als Mediatoren. Daher bereichern sie Darstellungen von lebenszyklischen Übergängen wie Geburt, Adoleszenz, Hochzeit und Tod und erklären ihre Rolle im Votivwesen sowie als Grabbeigaben.
Stephanie Böhm Volgorde van de boeken


- 2024
- 2004
Klassizistische Weihreliefs
Zur römischen Rezeption griechischer Votivbilder
In diesem Band werden römische Marmorreliefs mit Götterbildern präsentiert, die im Stil klassischer Weihreliefs gestaltet sind. Diese klassizistischen Arbeiten stammen aus der späten Republik und Kaiserzeit und orientieren sich an griechischen Votivbildern, ohne sie jedoch zu kopieren. Die Leistung der klassizistischen Bildhauer liegt in der Schaffung eklektischer Neuschöpfungen, deren Charakter sich in Bildkompositionen, Figurentypen, architektonischer Gestaltung und Format zeigt. Dabei fließen auch Anregungen aus spätklassischen Urkunden- und Grabreliefs in die Figurentypologie ein. Neben diesen retrospektiven Zügen sind die Reliefs durch die Integration zeitgenössischer Elemente gekennzeichnet. Besonders bemerkenswert ist die Stilsicherheit klassizistischer Werkstätten, die Stilformeln der Klassik so gekonnt einsetzen, dass Reliefs mit überwiegend eklektischen Neuschöpfungen einen klassischen Eindruck hinterlassen. Zudem bestehen enge Verbindungen zwischen den klassizistischen Reliefs und den verschiedenen Denkmälergattungen des römischen Ausstattungsluxus. Innerhalb des römisch-klassizistischen Kunstbetriebs sollte jedoch der Status der klassizistischen Weihreliefs als eigenständige Denkmälergattung hervorgehoben werden.